Ein Booster für mehr weiblichen Erfolg!

Die Tech-Branche kämpft noch immer gegen ein „Steinzeit-Klischee“

Alesia Braga ist die Technologie-Chefin der Reservierungsplattform Quandoo. Im Arbeitsalltag kämpft sie gegen Diskriminierung und Vorurteile, die in Digitalunternehmen noch immer vorherrschen.

Das Verhältnis von 117 zu drei wird Alesia Braga wohl nie wieder vergessen. 117 Männer und drei Frauen – so sah die Gästeliste eines Abendessens in der Tech-Branche aus, auf der auch die Technologie-Chefin der Berliner Restaurant-Reservierungsplattform Quandoo stand. „Von einem der Gäste wurde ich für eine Aushilfe des Caterers gehalten“, erinnert sich Braga. „Als ich ihm meine Jobposition nannte, war ihm das Erstaunen ins Gesicht geschrieben.“

Was Braga im Gespräch schildert, ist in Digitalunternehmen und Start-ups noch immer an der Tagesordnung. Frauen sind eine kleine Minderheit. Wie schwer es Frauen in der Gründerwelt haben, zeigte im April der zweite „Female Founders Monitor“ des Bundesverbands Deutsche Start-ups. Dort stieg ihr Anteil in den vergangenen Jahren nur langsam: Mit aktuell 15,1 Prozent liegt er weiter auf sehr niedrigem Niveau.

„Was die Tech-Branche angeht, tummelt sich ein Steinzeit-Klischee herum: Frauen seien biologisch ungeeigneter“, beklagt auch Braga. Zudem seien in digitalen Unternehmen gefragte Studiengänge wie Mathematik oder Naturwissenschaften für Frauen weniger ansprechend. Laut Braga ein Teufelskreis: „Es gibt weniger Vorbilder für Mädchen, also ist es weniger attraktiv, in die Industrie einzusteigen.“ Und tatsächlich haben Männer bei den sogenannten MINT-Studiengängen immer noch die Nase vorn: Mehr als dreimal so häufig haben sie etwa Informatik, Mathematik oder Computerwissenschaften studiert.

Braga hat das Gefühl, dass amerikanische Tech-Unternehmen „etwas weiter sind, den Weg zu einer Kultur der Gleichberechtigung zu ebnen“. Dort gebe es etwa bereits mehr Frauen in Führungspositionen als in Deutschland. Trotzdem sei auch ihre Kompetenz als Führungskraft in der Vergangenheit immer wieder infrage gestellt worden – „lediglich wegen meines Geschlechts“, beklagt sie. Die meisten Vorurteile legten sich aber spätestens dann, wenn man ins Gespräch käme und das Gegenüber „von seinen eigenen Klischees Abstand nehmen muss“.

Genau darüber sprach Braga auch am ersten Tag des Berliner Tech Open Air (TOA), Europas größten Festivals für die Start-up- und Digitalbranche, auf Einladung der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe. Mit Gründerinnen und weiblichen Führungskräften aus aller Welt diskutierte sie über mehr Möglichkeiten und Chancen für Frauen in der Digitalbranche. Ihnen rät Braga, sich von negativen Erlebnissen „nicht ablenken oder verunsichern zu lassen“. Das sei, so glaubt sie, „auch ein Schlüssel zum Erfolg, gendertypische Vorurteile zu entkräften“.

Zumindest beim Tech Open Air ist es in diesem Jahr gelungen, die richtige Balance zwischen Geschlechtern zu finden. „50 Prozent unserer Rednerinnen und Redner sind weiblich“, erklärt TOA-Gründer Niko Woischnik stolz und erhofft sich davon neue Impulse für weibliche Gründungsaktivitäten. Angesichts von 14 Milliarden Euro Kapital, das laut Woischnik in den vergangenen sechs Jahren in Deutschland mobilisiert wurde, wünscht er sich „viel mehr Investitionen in weibliche Gründerinnen“. Quelle: Die Welt

LEADING WOMEN News Redaktion

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