„Ohne Ziel findet man den Weg nicht“ – Interview mit Sylvia Tarves

Die Mehrheit der Berufstätigen ist planlos

56 Prozent der Berufstätigen planen nicht, wie sie im Job weiterkommen wollen. Warum das so ist und was diejenigen unternehmen, die sich um ihre berufliche Zukunft kümmern – das zeigt eine Forsa-Umfrage unter 1.009 Berufstätigen zwischen 18 und 50 Jahren, die die deutsche Universität für Weiterbildung (DUW) in Auftrag gab. All denjenigen, die Pläne schmieden wollen, verrät LOB-Karriere-Beraterin Sylvia Tarves von der Personalberatung „Leading Women“, wie man seine Karriere erfolgreich vorantreibt.

Ohne Planung keine Karriere

Die Gründe dafür, dass über die Hälfte der Berufstätigen sich nicht um konkrete Karrierepläne kümmern, sind vielfältig. 46 Prozent der Planlosen haben nicht das Bedürfnis, sich über ihr berufliches Fortkommen Gedanken zu machen, da sie ihre persönlichen Karriereziele bereits erreicht haben. 24 Prozent haben generell kein Interesse daran, Karriere zu machen. Ebenso viele glauben nicht an die Planbarkeit von Karriere. 14 Prozent sehen mitunter fehlende Unterstützung vom Arbeitgeber als Hindernis. Sylvia Tarves hält es hingegen für sehr wichtig, das berufliche Fortkommen zu planen. „Ohne Ziel findet man den Weg nicht. Hat man ein Ziel, kann man sich überlegen, was konkret zu tun ist und welche Netzwerke man nutzen kann“, betont sie. Nur 43 Prozent der Berufstätigen kommen dem nach, planen also ihre Karriere. Unter ihnen setzen sich 24 Prozent Etappenziele. Das hält LOB-Beraterin Sylvia Tarves für sehr ratsam. „Ich empfehle große Meilenstelle zu setzen. Zu kleinteilig sollte die Planung nicht sein. Es muss Spielraum bleiben für die Möglichkeiten, die sich ergeben“, meint sie.

Weiterbildungsangebote sehr beliebt

Ihre Pläne besprechen 79 Prozent der Befragten gerne mit der Familie, dem Partner oder Freunden. 58 Prozent nutzen ihre Kollegen als Ansprechpartner, 59 Prozent ihren Vorgesetzten. Keine schlechte Idee, findet Sylvia Tarves. „Wenn man seine Karriere vorantreiben will, muss man sich im Unternehmen sichtbar machen und vermitteln: das will ich, das kann ich“, rät die LOB-Beraterin.

Eine beliebte Möglichkeit, um die geplanten Ziele zu erreichen, sind Weiterbildungsangebote. Diese nutzen 66 Prozent der Befragten. Bei Frauen (71 Prozent) sind Weiterbildungen noch gefragter als bei Männern (63 Prozent) und bei Erwerbstätigen mittleren Alters beliebter als bei jüngeren (59 Prozent) und älteren (64 Prozent) Berufstätigen. Auch wenn darum geht, soziale Netzwerke wie Xing und LinkedIn zur Karriereplanung zu nutzen, werden die jüngeren überboten. So nehmen 17 Prozent der 18- bis 29-jährigen Erwerbstätigen berufliche Web-Plattformen in Anspruch. Bei den 30- bis 39-Jähigen und den 40- bis 50-Jährigen sind es dagegen jeweils rund 30 Prozent.

Ziel für die nächsten zwei Jahre? Mehr Gehalt!

Die Interviewer wollten zudem von allen Befragten – ob sie nun konkrete Karrierepläne haben oder nicht – wissen, wie sie sich die nächsten zwei Jahre ihres Berufslebens vorstellen. Dabei zeigte sich, dass die Hälfte eine bessere Work-Life-Balance anstrebt. 40 Prozent hätten gerne mehr sinnvolle Arbeitsinhalte als Herausforderung. Einen Arbeitgeber-Wechsel, der eine höhere Position mit sich bringt, können sich 18 Prozent vorstellen. Bleibt noch der Wunsch, der sich bei den Befragten der größten Beliebtheit erfreut: ein höheres Gehalt. Das würden 67 Prozent der Befragten gerne in den nächsten zwei Jahren erreichen.

Tarves macht darauf aufmerksam, dass es hierbei deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. „Frauen ist das Gehalt meist nicht so wichtig. Für sie zählen eher die Jobinhalte und das Team“, weiß die LOB-Beraterin. Nicht nur Geld, auch die Karriere ist Frauen den Erfahrungen von Tarves zufolge weniger wichtig als Männern. „Auf einem meiner Workshops habe ich die 40 Teilnehmerinnen gefragt, wer seine Karriere in gleichem Maße plant wie seine Urlaube. Eine einzige Frau hat sich gemeldet“, erzählt sie. Deshalb richtet sie folgende Tipp, den es auf der Karriereleiter zu beherzigen gilt, auch insbesondere an Frauen: „Mutig und offen sein!“